„WordPress läuft doch seit Jahren. Warum etwas ändern?“ Die Frage ist berechtigt. Auf der anderen Seite stehen Entwickler, die WordPress für einen technischen Dinosaurier halten und am liebsten alles „headless“ bauen würden. Die Wahrheit liegt dazwischen und hängt davon ab, wer deine Inhalte pflegt, wie oft sie sich ändern und was deine Website können muss.
Zur Einordnung: Wir selbst bauen Websites mit Next.js. Trotzdem ist WordPress für manche Projekte die bessere Wahl. In diesem Vergleich zeige ich, wann welches System passt, welche Kosten bei beiden anfallen und warum manche kleine Website gar kein eigenes CMS braucht.
Was bedeutet „Headless CMS“ überhaupt?
Ein Headless CMS trennt Inhalt und Darstellung. In einem klassischen CMS wie WordPress sind Backend (wo du Inhalte eingibst) und Frontend (was Besucher sehen) ein System. Im Headless-Modell gibt es nur das Backend, das Inhalte über Schnittstellen (APIs) bereitstellt. Das Frontend – eine Website, eine App oder ein Bildschirm im Laden – holt sich diese Inhalte ab. Der „Kopf“, also die Darstellungsschicht, ist abgetrennt.
Bekannte Headless-CMS sind zum Beispiel Storyblok (aus Linz), Contentful, Strapi und Payload. Für das Frontend wird häufig Next.js eingesetzt, das React-Framework von Vercel. Übrigens lässt sich auch WordPress selbst headless betreiben: als Redaktionssystem im Hintergrund, dessen Inhalte ein separates Frontend ausliefert.
Wann WordPress 2026 noch gewinnt
WordPress ist kein totes Pferd. Laut W3Techs läuft es auf über 40 Prozent aller Websites. In bestimmten Fällen ist es weiterhin die beste Wahl:
- Redaktion ohne Entwickler: Mit Block-Editor oder Page-Builder bauen geübte Nutzer neue Seiten und sogar Layouts selbst. In einem Headless-Setup gehen neue Layouts meist nur mit Entwickler.
- Begrenztes Budget bei Standardanforderungen: Eine WordPress-Seite mit gutem Standard-Theme ist schnell aufgesetzt. Ein Headless-Projekt mit individuellem Frontend und angebundenem CMS ist in der Regel aufwendiger.
- Plugin-Ökosystem: WooCommerce für Shops, dazu Plugins für SEO, Formulare, Buchungen oder Mehrsprachigkeit – unter zehntausenden Plugins gibt es für fast jede Funktion eine fertige Lösung. Bei Headless müsste vieles davon individuell angebunden werden.
Wann Headless CMS die bessere Wahl ist
Performance: Headless-Frontends liefern Seiten oft vorab gerendert aus, und das ist meist schnell. Aber auch eine schlanke WordPress-Seite mit gutem Caching kann flott sein, und ein schlecht gebautes Next.js-Projekt kann langsam sein. Die Core Web Vitals fließen in Googles Bewertung der Nutzererfahrung ein, sind aber nur ein Faktor unter vielen. Miss lieber, statt zu glauben: PageSpeed Insights zeigt dir in einer Minute, wo deine Seite steht.
Sicherheit: Weil WordPress so verbreitet ist, ist es auch ein beliebtes Ziel automatisierter Angriffe. Bots suchen massenhaft nach Login-Seiten wie wp-login.php und nach bekannten Lücken, die meist in veralteten Plugins und Themes stecken. Bei Headless ist das Redaktionssystem vom öffentlichen Frontend getrennt, die Angriffsfläche ist deutlich kleiner. Sicher ist aber auch das nur, wenn Zugänge, Schnittstellen-Schlüssel und Pakete gepflegt werden.
Mehrere Kanäle: Sollen deine Inhalte nicht nur auf der Website, sondern auch in einer App, auf Displays oder in anderen Systemen erscheinen, ist Headless die naheliegende Architektur: einmal pflegen, überall ausspielen.
Kosten-Wahrheit: Was KMU tatsächlich bezahlen
Beide Lager haben ein Argument. „Headless ist zu teuer“ stimmt oft bei der Erstellung, „WordPress ist auf Dauer teurer“ stimmt manchmal im Betrieb. Pauschale Summen helfen dir wenig, weil Umfang und Anbieter stark schwanken. Diese Kostenpunkte solltest du für beide Varianten abfragen:
| Kostenpunkt | WordPress | Headless |
|---|---|---|
| Erstellung | mit Standard-Theme vergleichsweise günstig, individuelles Design kostet mehr | meist aufwendiger, weil das Frontend individuell entwickelt und das CMS angebunden wird |
| Software | WordPress selbst kostenlos, Premium-Themes und -Plugins oft mit Jahreslizenz | Open-Source-CMS wie Strapi oder Payload ohne Lizenzgebühr (dafür Server und Pflege), SaaS-CMS wie Storyblok oder Contentful mit Monatsplänen, teils mit kostenlosem Einstieg |
| Hosting | klassisches Webhosting, von günstig bis Managed WordPress | Frontend-Hosting, etwa bei Vercel, plus gegebenenfalls Hosting für das CMS |
| Wartung | regelmäßige Updates für Kern, Themes und Plugins | Updates für Framework und Pakete, aber weniger bewegliche Teile im öffentlichen Bereich |
| Änderungen | vieles ohne Entwickler möglich | Inhalte selbst, neue Layouts und Funktionen meist mit Entwickler |
Lizenz- und Hostingpreise ändern sich häufig, prüf den aktuellen Stand direkt beim Anbieter. Und rechne immer über mindestens drei Jahre: Erstellung plus 36 Monate Hosting, Lizenzen und Wartung. Erst dann siehst du, welche Variante für dich günstiger ist.
Der dritte Weg: Brauchst du überhaupt ein CMS?
Viele kleine Websites ändern sich nur ein paar Mal im Jahr: neue Öffnungszeiten, ein neues Teamfoto, eine zusätzliche Leistung. Dafür ein eigenes Redaktionssystem zu betreiben, zu lernen und zu pflegen, lohnt sich nicht immer. Die Alternative: Änderungen erledigt dein Dienstleister. In unserem Website-Abo (ab 129 € im Monat) sind kleinere Änderungen an Texten, Bildern und Farben zum Beispiel schon enthalten, größere kalkulieren wir separat.
Die Entscheidungsmatrix für KMU
WordPress passt, wenn
- dein Team Inhalte und Seiten selbst bauen will, ohne Entwickler,
- du viele Standardfunktionen wie Shop, Buchung oder Mehrsprachigkeit brauchst und fertige Plugins dafür genügen,
- jemand zuverlässig Updates einspielt,
- das Budget für die Erstellung knapp ist.
Headless passt, wenn
- Ladezeit und Sicherheit für dich besonders zählen,
- deine Inhalte auf mehreren Kanälen erscheinen sollen,
- du ein individuelles Design ohne Theme-Kompromisse willst,
- du ohnehin mit einem Entwickler oder einer Agentur zusammenarbeitest.
Ohne eigenes CMS geht es, wenn sich deine Inhalte selten ändern und du Änderungen lieber abgibst, als sie selbst zu machen.
Auch eine Hybrid-Lösung ist möglich: WordPress bleibt als vertrautes Redaktionssystem, etwa für den Blog, und ein Next.js-Frontend liefert die Seiten aus. Wenn du einen Umstieg planst, lies vorher den Beitrag WordPress zu Next.js migrieren.
Am Ende entscheidet die ehrliche Analyse deines Geschäftsmodells, nicht die Ideologie. Unsere Website-Pakete findest du hier; welches System zu dir passt, klären wir gern im kostenlosen Erstgespräch.



