Jedes Jahr im November dasselbe Bild: Große Händler werben mit hohen Rabatten, kleine Betriebe fühlen sich unter Druck und setzen kurzfristig einen Nachlass an, den sie sich eigentlich nicht leisten können. Im besten Fall steigt der Umsatz für ein paar Tage, die Marge leidet trotzdem – und wer im Dezember zum normalen Preis kaufen soll, hat sich womöglich schon an den Rabatt gewöhnt.
Das ist kein Black-Friday-Problem. Das ist ein Strategieproblem.
Kurz gesagt: Black Friday ist 2026 am 27. November, Cyber Monday am 30. November. Als kleiner Betrieb gewinnst du diese Woche nicht über den höchsten Rabatt, sondern über ein Angebot mit echtem Mehrwert, eine feste Aktionsseite auf deiner Website und eine Ansprache deiner Bestandskunden. Wer erst jetzt anfängt, hat dafür noch genau genug Zeit – wenn er sich auf das Wesentliche beschränkt.
Black Friday 2026: Termine und Ausgangslage
| Aktionstag | Datum 2026 |
|---|---|
| Beginn der Cyber Week | Montag, 23. November |
| Black Friday | Freitag, 27. November |
| 1. Advent | Sonntag, 29. November |
| Cyber Monday | Montag, 30. November |
Die Stimmung ist gedämpfter, als die Werbung vermuten lässt. Für Black Friday und Cyber Monday 2025 rechnete der Handelsverband Deutschland (HDE) mit 5,8 Milliarden Euro Umsatz – knapp zwei Prozent weniger als im Vorjahr und damit erstmals ein Rückgang seit Beginn der Erhebung 2016. Laut der zugehörigen Umfrage des IFH Köln wollten trotzdem 48 Prozent der Befragten am Black Friday einkaufen, und rund 1,6 Milliarden Euro der Ausgaben entfielen auf Weihnachtsgeschenke (Retail-News über die HDE-Prognose). Die Zahlen für 2026 veröffentlicht der HDE üblicherweise Mitte November.
Für dich heißt das: Viele Menschen kaufen an diesen Tagen ein, aber sie geben pro Einkauf vorsichtiger aus und vergleichen genauer. Das ist eher ein Argument für ein durchdachtes Angebot als für einen möglichst hohen Nachlass.
Warum der Preiskampf für KMU eine Falle ist
Rechne es einmal durch. Ein Beispiel: Ein Produkt kostet 100 €, dein Wareneinsatz liegt bei 70 €. Dein Rohertrag beträgt also 30 € oder 30 Prozent. Gibst du 20 Prozent Rabatt, verkaufst du für 80 € – und pro Stück bleiben nur noch 10 € übrig. Um wieder auf denselben Rohertrag zu kommen, brauchst du den dreifachen Absatz. Nicht ein bisschen mehr – das Dreifache.
So viel Mehrabsatz brauchst du, damit ein Rabatt denselben Rohertrag bringt wie der Normalpreis:
| Rabatt | bei 30 % Rohertrag | bei 50 % Rohertrag |
|---|---|---|
| 10 % | 1,5-facher Absatz | 1,25-facher Absatz |
| 20 % | 3-facher Absatz | rund 1,7-facher Absatz |
| 25 % | 6-facher Absatz | 2-facher Absatz |
| 30 % | kein Rohertrag mehr | 2,5-facher Absatz |
Die Formel dahinter: Rohertragsquote geteilt durch (Rohertragsquote minus Rabatt). Setz deine eigene Quote ein, bevor du dich für eine Zahl entscheidest. Fixkosten wie Miete und Personal sind darin noch gar nicht enthalten.
Dazu kommt ein Effekt, den viele nicht einrechnen: Du erziehst deine Stammkundschaft. Wer zweimal erlebt hat, dass es im November günstiger wird, wartet beim nächsten Mal eher ab. Dann verschiebst du Umsatz, statt neuen zu erzeugen.
Was bei Rabattwerbung rechtlich gilt
Seit Mai 2022 gilt § 11 der Preisangabenverordnung (PAngV): Wer gegenüber Verbrauchern eine Preisermäßigung für eine Ware bekannt gibt, muss den niedrigsten Gesamtpreis der letzten 30 Tage vor der Ermäßigung angeben. Der Europäische Gerichtshof hat im September 2024 klargestellt, dass sich auch eine Prozentangabe oder ein Hinweis wie „Preis-Highlight“ an diesem 30-Tage-Tiefstpreis messen lassen muss (Rechtssache C-330/23, Aldi Süd). Der Trick, den Preis kurz vor der Aktion anzuheben, läuft damit ins Leere – und ist abmahnfähig.
§ 11 PAngV betrifft Waren. Für Dienstleistungen gilt er nicht, irreführende Preisangaben sind aber auch dort nach dem UWG verboten, etwa ein durchgestrichener Preis, den du nie ernsthaft verlangt hast.
Und für die Ankündigung per E-Mail gilt: Werbung per E-Mail braucht grundsätzlich eine Einwilligung. Für eigene Bestandskunden gibt es in § 7 Abs. 3 UWG eine Ausnahme, aber nur unter engen Voraussetzungen – unter anderem muss es um ähnliche Waren oder Dienstleistungen gehen, und du musst bei jeder Mail auf das Widerspruchsrecht hinweisen. Das ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung – bei konkreten Aktionen lohnt der Blick einer Fachanwältin oder eines Fachanwalts.
Was stattdessen funktioniert
1. Mehrwert statt Nachlass
Statt 20 Prozent auf alles: die gleiche Leistung mit einer Zugabe, die dich wenig kostet und für deine Kundschaft sichtbar Wert hat. Ein zusätzlicher Service, eine verlängerte Garantie, ein passendes Zubehörteil, eine kostenlose Beratung.
Deine Kunden bekommen ein besseres Angebot, deine Marge bleibt weitgehend intakt, und du entwertest dein Kernprodukt nicht.
2. Bündeln statt reduzieren
Drei Leistungen zu einem Paketpreis, der unter der Summe der Einzelpreise liegt, aber über dem, was jemand sonst gekauft hätte. Der Preisvorteil ist spürbar, und der durchschnittliche Bestellwert steigt.
Für Dienstleister funktioniert das besonders gut, weil sich Pakete schwerer vergleichen lassen als ein Produkt mit Artikelnummer. Ein Beispiel: Ein Kosmetikstudio bündelt Behandlung, Pflegeprodukt und einen Gutschein für den nächsten Termin.
3. Gutscheine mit Bonus für den Januar
Viele, die in der Black-Friday-Woche kaufen, suchen eigentlich ein Weihnachtsgeschenk. Ein Gutschein ist dafür ideal – und lässt sich so bauen, dass er dir hilft: Wer einen Gutschein über 50 € kauft, bekommt einen Bonusgutschein über 10 € dazu, einlösbar ab Januar. Der Umsatz kommt jetzt, und der Bonus holt Kundschaft genau in den Monat, der bei vielen Betrieben der ruhigste ist.
Gutscheine verjähren grundsätzlich nach der regelmäßigen Frist von drei Jahren (§ 195 BGB). Schreib die Bedingungen für den Bonus klar dazu: Mindestwert, ab wann einlösbar, ob er mit anderen Aktionen kombinierbar ist.
4. Verknappung, die stimmt
„Nur bis Sonntag“ wirkt – aber nur, wenn es stimmt. Eine echte Begrenzung auf eine Stückzahl, einen Zeitraum oder eine Zahl an Terminen ist ehrlich und wirksam. Ein Countdown, der jeden Tag von vorn beginnt, ist beides nicht. Kunden durchschauen das schnell, und unwahre Knappheitsangaben sind obendrein unzulässige Werbung.
5. Die Alternative: bewusst nicht mitmachen
Ein unterschätzter Weg. „Bei uns gibt es keinen Black Friday – dafür das ganze Jahr faire Preise“ ist eine klare Position. Gerade bei Stammkunden kann das gut ankommen und deine Marke stärken, statt sie zu verwässern.
Manche Betriebe spenden stattdessen einen Teil des Novemberumsatzes an ein lokales Projekt. Das kann mehr Gesprächsstoff liefern als ein Rabatt. Wichtig ist dann Transparenz: Sag konkret, welcher Anteil an wen geht, und halte das Versprechen auch ein.
Ideen nach Branche
- Einzelhandel: Geschenk-Sets aus Produkten, die sich sonst langsam drehen, plus Geschenkverpackung als Zugabe. Ein klarer Satz zum letzten Bestelltag vor Weihnachten.
- Gastronomie: Gutscheine mit Januar-Bonus, Reservierungen für Weihnachtsfeiern und Silvester. Mehr dazu im Beitrag Gastronomie im Herbst.
- Handwerk: Kein Rabatt, sondern feste Termine im Januar oder Februar zum vereinbarten Preis – für Kunden, die jetzt beauftragen. Das füllt die ruhigen Wochen.
- Studios und Dienstleister: Zehnerkarten, Pakete oder Jahresabos mit einer Zugabe statt eines Preisnachlasses.
- Online-Shops: Versandkostenfreiheit ab einem Bestellwert, der knapp über deinem Durchschnitt liegt. Das hebt den Warenkorb, ohne den Preis zu senken.
Der Zeitplan ab Mitte Oktober
Wer jetzt startet, hat noch rund fünf Wochen. Das reicht, wenn du in dieser Reihenfolge vorgehst:
| Wann | Was |
|---|---|
| Bis 31. Oktober | Entscheiden, was du anbietest – und ob überhaupt. Rohertrag mit der Tabelle oben prüfen. |
| 2. bis 13. November | Aktionsseite auf der Website anlegen und veröffentlichen, Bilder und ein kurzes Video produzieren, Angebot als Beitrag im Google-Unternehmensprofil vorbereiten. |
| 16. bis 22. November | Ankündigung an Bestandskunden: Newsletter (mit Einwilligung), WhatsApp, Social Media. Deine bestehende Kundschaft ist die günstigste Zielgruppe, die du hast. |
| 23. bis 30. November | Cyber Week: Erinnerungen, Anzeigen, Fragen schnell beantworten. |
| Ab 1. Dezember | Aktion sauber beenden, Preise zurückstellen, Ergebnisse auswerten und nahtlos ins Weihnachtsgeschäft übergehen. |
Was im Dezember danach noch wirkt, steht im Beitrag zum Weihnachtsgeschäft 2026.
Die Aktionsseite: Was draufgehört
Jede Aktion braucht eine feste Seite auf deiner eigenen Website. Auf sie verlinkst du von Instagram, aus dem Newsletter, aus Anzeigen und aus deinem Google-Profil. Das gehört drauf:
- das Angebot in einem Satz, direkt oben – nicht erst nach drei Bildern
- der genaue Zeitraum mit Datum und, falls relevant, Uhrzeit
- die Bedingungen: Stückzahl, Mindestbestellwert, Kombinierbarkeit
- bei Preisermäßigungen für Waren: der niedrigste Preis der letzten 30 Tage
- der Weg zum Kauf oder zur Buchung, auf dem Smartphone mit einem Daumen erreichbar
- drei, vier Antworten auf die Fragen, die sonst per Telefon kommen
Gib der Seite eine Adresse ohne Jahreszahl, zum Beispiel /black-friday. Nach der Aktion löschst du sie nicht, sondern schreibst hinein, wann es die nächste gibt. So sammelt sie über die Jahre Sichtbarkeit bei Google, statt jedes Mal bei null anzufangen.
Messen, was es gebracht hat
Die wichtigste Zahl nach einer Aktion ist nicht der Umsatz, sondern der Rohertrag. Ein Wochenende mit doppeltem Umsatz und halbem Rohertrag war kein gutes Wochenende.
- Links markieren: Hänge an die Links in Newsletter, Instagram und Anzeigen UTM-Parameter, damit du in deiner Statistik siehst, welcher Kanal Käufe gebracht hat.
- Neu oder bekannt? Zähl, wie viele Käufe von Neukunden kamen. Wenn fast nur Stammkunden gekauft haben, hast du vor allem Umsatz vorgezogen.
- Notizen für 2027: Schreib direkt am 1. Dezember auf, was du nächstes Jahr anders machst. Im Oktober 2027 hast du es sonst vergessen.
Zwei Fehler, die immer wieder passieren
Die Aktion läuft nur über Instagram. Ein Beitrag ist nach wenigen Tagen aus dem Feed verschwunden und über Google kaum zu finden. Ohne eigene Aktionsseite verschenkst du alle, die gezielt suchen.
Die Website hält den Ansturm nicht aus. Wenn die Aktion funktioniert, kommt Traffic. Eine Seite, die schon im Alltag langsam lädt, wird unter Last oft noch langsamer – genau dann, wenn du für Besucher bezahlst. Wer im November Werbung schaltet, sollte vorher die Ladezeit geprüft haben. Welcher Werbekanal wofür passt, steht im Vergleich Google Ads vs. Meta Ads; seit August 2026 kommt mit Werbung in ChatGPT ein dritter Kanal dazu.
Und wenn du nichts vorbereitet hast?
Dann mach dieses Jahr bewusst nichts Großes und nutze den November, um zu beobachten, was deine Wettbewerber tun und was bei deiner Kundschaft ankommt. Eine schlecht vorbereitete Aktion schadet oft mehr, als sie bringt. Notier dir lieber gleich, was du im nächsten Jahr anders machen willst.
Was auch kurzfristig noch geht: ein kurzes Video, das dein Angebot erklärt. Ein KI-Werbevideo bekommst du bei uns für 99 € in 24 Stunden – wahlweise im Hochformat für Reels und Anzeigen oder im Querformat für deine Website, mit einer Korrekturschleife und Geld-zurück-Garantie.
Und manchmal ist der ehrlichste Rat, das Geld zu sparen und in etwas zu investieren, das über den 27. November hinaus wirkt.
Häufige Fragen
Wann ist Black Friday 2026?
Am Freitag, 27. November 2026. Cyber Monday folgt am 30. November. Viele Händler starten ihre Aktionen schon am Montag davor, dem 23. November, und sprechen dann von der Cyber Week. Für dich als kleinen Betrieb reicht es, wenn dein Angebot in dieser Woche steht und vorher angekündigt wurde.
Muss ich als kleiner Betrieb beim Black Friday mitmachen?
Nein. Wer nicht mitmacht, verliert selten Stammkunden, wer mit zu hohem Rabatt mitmacht, verliert dagegen sicher Marge. Wenn du teilnimmst, dann mit einem Angebot, das sich rechnet: Mehrwert, Paket oder Gutschein statt pauschaler Prozente. Eine bewusste Entscheidung dagegen kannst du auch offen kommunizieren.
Muss ich bei Rabatten den 30-Tage-Tiefstpreis angeben?
Bei Waren gegenüber Verbrauchern ja: § 11 PAngV verlangt bei jeder Preisermäßigung die Angabe des niedrigsten Preises der letzten 30 Tage, und der Rabatt muss sich darauf beziehen. Für Dienstleistungen gilt die Vorschrift nicht. Irreführende Preisangaben sind aber auch dort nach dem UWG unzulässig.
Was ist besser: Rabatt oder Gutschein?
Für die meisten kleinen Betriebe der Gutschein. Er bringt Umsatz im November, wird oft verschenkt und bringt so neue Kundschaft ins Geschäft. Ein Bonusgutschein, der erst ab Januar gilt, füllt zusätzlich den ruhigsten Monat. Ein Rabatt dagegen senkt deinen Rohertrag sofort und gewöhnt Stammkunden ans Warten.
Lohnt sich Werbung in der Black-Friday-Woche?
In dieser Woche konkurrieren besonders viele Händler um dieselben Anzeigenplätze. Für kleine Budgets ist es deshalb oft günstiger, eine bis zwei Wochen vorher Aufmerksamkeit aufzubauen und in der Black-Friday-Woche vor allem Menschen anzusprechen, die dich schon kennen: Website-Besucher, Follower und Newsletter-Abonnenten.



