Wenn Öl- und Spritpreise steigen, wie etwa 2022, steigen mit ihnen oft auch die Sorgen: Heizkosten, Lieferkosten, höhere Preise im Einkauf. Viele Unternehmen reagieren reflexhaft und kürzen als Erstes das Marketingbudget. Ich halte das in den meisten Fällen für den falschen Reflex. Gerade in solchen Phasen sollte dein Social-Media-Marketing nicht verstummen, sondern klüger werden.
Denn auch wenn die Preise steigen, brauchen Menschen weiterhin Handwerker, Restaurants, Steuerberater und Online-Shops. Nur entscheiden sie vorsichtiger. Wer in dieser Phase sichtbar bleibt und hilfreich ist, bleibt im Gedächtnis. Wer verstummt, überlässt das Feld der Konkurrenz.
Warum Sichtbarkeit in unsicheren Zeiten zählt
Dass Funkstille teuer werden kann, zeigt eine Auswertung des Ehrenberg-Bass Institute: Konsumgütermarken, die ein Jahr lang gar nicht mehr warben, verloren im Schnitt rund 16 % Umsatz gegenüber dem letzten Jahr mit Werbung, nach zwei Jahren rund 25 % (Ehrenberg-Bass Institute, 2021). Die Daten stammen aus dem australischen Konsumgütermarkt und lassen sich nicht eins zu eins auf einen Handwerksbetrieb in der Region Koblenz übertragen. Die Richtung ist aber klar: Wer komplett von der Bildfläche verschwindet, wird vergessen.
Das heißt nicht, dass du in jeder Krise mehr Geld ausgeben musst. Es heißt: Komplett abschalten ist selten die beste Sparmaßnahme. Social Media hat dabei einen Vorteil: Organische Inhalte kosten vor allem Zeit und Know-how, kein Werbebudget.
Empathie statt Panik: Die neue Währung im Social-Media-Marketing
In unsicheren Zeiten läuft reine Produktwerbung oft ins Leere. Menschen suchen Lösungen, Entlastung und Orientierung. Sprich ihre Sorgen an, ohne Alarm zu machen. Wenn die Spritpreise steigen, ist es vielleicht nicht der beste Moment, um prominent ein durstiges SUV zu bewerben. Ein Autohaus könnte stattdessen Tipps zum spritsparenden Fahren geben, über Fahrgemeinschaften sprechen oder zeigen, welche Modelle im Alltag wirklich günstig sind.
Ein paar Beispiele, wie das in anderen Branchen aussehen kann:
- Café oder Bäckerei: zeigen, woher die Zutaten kommen und wie kurze Wege zu regionalen Lieferanten helfen können, die Preise im Rahmen zu halten.
- Handwerksbetrieb: erklären, welche Maßnahmen rund ums Haus sich lohnen, um Energiekosten zu senken — und welche eher nicht.
- Online-Shop: zeigen, wie langlebige Produkte auf Dauer Geld sparen, statt mit Rabatten um sich zu werfen.
- Dienstleister: Videoberatung oder Online-Termine anbieten und zeigen, wie sich Anfahrten sparen lassen.
- B2B-Anbieter: zeigen, wie dein Produkt Abläufe effizienter macht und Kosten senkt, statt nur neue Funktionen anzukündigen.
Es geht darum, Lösungen anzubieten, nicht nur Produkte.
Wert neu definieren und Community stärken
Wenn die Kosten steigen, werden Kunden preissensibler, aber sie hören nicht auf zu kaufen. Stattdessen wägen sie genauer ab, was sich lohnt. Deine Inhalte sollten deshalb zeigen, welchen Wert dein Angebot hat: Wie lange hält es? Was spart es? Welchen Ärger erspart es?
Und falls du selbst Preise anpassen musst: Erklär es offen. Ein kurzer Beitrag darüber, warum Material, Energie oder Transport teurer geworden sind, wirkt glaubwürdiger als eine stille Preiserhöhung, die Kunden erst an der Kasse bemerken.
Unterschätzt wird oft die Kraft der Community. Social Media ist ein guter Ort, um Menschen zusammenzubringen, die sich gegenseitig helfen. Ein Beispiel: Ein Supermarkt könnte seine Kundschaft einladen, die besten Rezepte für günstige, gesunde Gerichte zu teilen, und die schönsten Ideen in den Stories zeigen. Das schafft Interaktion, stärkt die Bindung und zeigt, dass dir das Wohl deiner Kunden wichtig ist.
Agilität und Authentizität als Erfolgsfaktoren
In unruhigen Zeiten funktionieren starre Jahrespläne schlecht. Dein Redaktionsplan sollte Luft für Anpassungen lassen, und jemand sollte die Stimmung in Kommentaren und Nachrichten im Blick behalten. Plane lieber in Schritten von zwei bis vier Wochen und schau regelmäßig auf die Zahlen: Welche Beiträge werden gespeichert und geteilt? Wo kommen Fragen? Was bringt Anfragen?
Authentizität ist dabei entscheidend. Beschönige keine Probleme und mach keine Versprechen, die du nicht halten kannst. Ein Beispiel, wie das aussehen kann: Angenommen, ein Reisebüro merkt, dass Flüge deutlich teurer werden. Statt weiter Billigflüge zu bewerben, rückt es Urlaub in der Region und Bahnreisen in den Vordergrund — und sagt offen, warum. Das passt zur Lage und wirkt glaubwürdiger als Werbung, die so tut, als wäre nichts.
Was du vermeiden solltest
- Angst schüren: Panikmache nach dem Motto „Schnell kaufen, bevor alles teurer wird!“ verkauft vielleicht kurzfristig, kostet aber Vertrauen.
- Krisen ausnutzen: Wer aus den Sorgen anderer ein Verkaufsargument macht, wirkt schnell zynisch.
- Funkstille: Wochenlang nichts zu posten und dann mit einem Rabatt aufzutauchen, wirkt beliebig.
- Blind kürzen: Wenn du sparen musst, kürze gezielt. Behalte, was nachweislich Anfragen bringt, und streich, was nur Reichweite ohne Wirkung erzeugt.
Ein einfacher Plan für die ersten vier Wochen
- Woche 1 — zuhören: Lies Kommentare, Nachrichten und Bewertungen. Welche Fragen und Sorgen tauchen auf? Frag ruhig direkt in einer Story nach.
- Woche 2 — Themen festlegen: Leite drei bis fünf Themen ab, bei denen du wirklich helfen kannst: Spartipps aus deinem Fachgebiet, Erklärungen zu Preisen, Alternativen.
- Woche 3 — produzieren: Mach aus jedem Thema einen Beitrag mit echtem Nutzen, zum Beispiel ein kurzes Reel, ein Karussell mit Tipps oder eine Story-Serie.
- Woche 4 — auswerten: Welche Inhalte wurden gespeichert, geteilt, kommentiert? Was hat zu Anfragen geführt? Davon machst du mehr.
Deine Chance liegt in der Verbindung
Wenn die Ölpreise steigen und die wirtschaftliche Unsicherheit wächst, ist das kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken oder dein Marketing ganz abzuschalten. Nutze deine Social-Media-Kanäle als Brücke zu deinen Kunden: Zeig Verständnis, biete Lösungen, stärke deine Community und mach deutlich, dass du mehr bist als ein Anbieter von Produkten oder Dienstleistungen.
Wenn du dafür Unterstützung möchtest: In unseren Social-Media-Paketen gibt es feste Strategie-Gespräche — je nach Paket monatlich, alle zwei Wochen oder wöchentlich — und ein monatliches Reporting. So lässt sich die Ansprache schnell an die Lage anpassen.



